|
|
r i t e s d e p a s s a g e
|
"Kleine Rituale"
Neben den "großen" Ritualen um Geburt, Erwachsenwerden
und Tod gibt es im Laufe des Lebens eine Fülle von anderen Lebenseinschnitten,
die nach Gestaltung und Deutung drängen. Sie haben ebenfalls eine
große emotionale Bedeutung für den einzelnen Menschen.
Situation 1
Nach den jahrelangen einsamen Mühen mit einer
Doktorarbeit, holt sich der frischgebackene Doktor die ersehnte Urkunde
im Prüfungsbüro ab, wie er jede andere lapidare Bescheinigung
dort auch abgeholt hat. Ein alltäglicher Behördenakt. Er steht
nach 5 Minuten wieder unten auf der Straße und fragt sich: Das ist
es also gewesen?
|
Situation 2
Eine Mitarbeiterin einer großen Firma geht
nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit in die Rente. Die KollegInnen
sind nett, beneiden sie um die viele streßfreie Zeit, die sie jetzt
haben wird, der Abteilungsleiter sagt ein paar routiniert verbindliche
Worte. Sie spendiert am letzten Tag einen Imbiß, bei dem auch alle
gerne zugreifen. Dann packt sie ihre Sachen und fragt sich verwirrt: Das
war alles?
|
Situation 3
Eine moderne Scheidung. Man trennt sich nach 8 gemeinsamen
Jahren in gegenseitigem Einverständnis, ohne schmutzige Wäsche
zu waschen, der Hausrat wird friedlich aufgeteilt, man wünscht sich
möglichst aufrichtig alles Gute und unterschreibt alle Formulare beim
Anwalt. "Das war es, Allez-Hop, nur keine Sentimentalitäten..."
|
Jedesmal bleibt ein flaues Gefühl, eine unbestimmte
Ahnung, daß wohl die Sache stimmt, nicht aber die Form. Situationen
wie Berufsbeginn, Ausbildungsabschluß, Berufsausstieg, Ende einer
langen Beziehung sind gravierende Lebenseinschnitte. Werden sie nicht entsprechend
gestaltet, entsteht ein Gefühl von Verunsicherung, Fadheit, Enttäuschung,
Leere. Auch wenn es schmerzlich ist, etwas abzuschließen, sich zu
trennen, ermöglicht erst die bewußte, d.h. eben auch die gestaltete,
gefeierte Trennung den nächsten Schritt.
Ein Übergangsritual hat eine dreiteilige Struktur.
Die erste Phase trennt vom alten Zustand, die dritte Phase gliedert an
den neuen Zustand an. Besonders schwierig und deshalb gestaltungsbedürftig
ist die mittlere, die sogenannte Liminalphase. Das ist der Zustand auf
der Grenze (lat. limen), zwischen allen Stühlen, nicht Fisch, noch
Fleisch. Menschen, die sich in dieser Phase befinden brauchen Orientierung
und Hilfe. Es tut ihnen gut, wenn ihr Erleben sich in symbolischen Formen
ausdrücken kann. Es tut gut, wenn ernstgenommen wird, daß sie
gerade etwas wie einen Tod und einen Neubeginn erleben, wenn Trauer, Schmerz,
Hoffnung und Vorfreude ihren Platz haben dürfen. Rituale geben diese
Hilfe, indem sie überlieferte und vielfach erprobte Handlungsmuster
vorgeben, an denen man sich in solchen Situationen wie an einem Halteseil
langhangeln kann. Sie sind zu vergleichen mit den Regieanweisungen eines
Dramas. Wenn diese der Reihe nach befolgt und durchgespielt werden, kommt
es zu einem befriedigenden Ende.
Aber nicht nur im privaten Leben sind Übergangsrituale
eine große Hilfe. Z.B. könnten sie auch in Unternehmen eine
wichtige Rolle spielen. Das Klima innerhalb von Betrieben wäre wesentlich
besser, wenn Einstieg, Aufstieg und Ausstieg bewußt begangen würden.
Gemeinsames Betrinken zu Betriebsfesten reicht in der Regel als Gestaltungsmittel
von Übergängen nicht aus, um wirkliche Zufriedenheit zu erreichen.
Ein großer Mehrwert für Unternehmen könnte
z.B. darin bestehen, ritualisierte Formen für den Aufstieg innerhalb
von Betrieben zu entwickeln. Denn übermäßige Konkurrenz,
Mobbing und "Spiele" aller Art fressen einen großen Teil der kreativen
Energien, die eigentlich dem Unternehmen zukommen sollten.
Ritualisierte Formen von Einstieg, Aufstieg und Ausstieg in
Unternehmen:
- fördern das Betriebsklima
- lassen die Strukturen erkennbarer werden
- geben dem Einzelnen und der Gruppe mehr Orientierung
- machen die "Spielregeln" deutlicher
- entlasten die Personalverantwortlichen
- betten Konkurrenz in einen festen Rahmen ein
- setzen kretive Energien frei
- geben Zufriedenheit und damit mehr Gesundheit
|
Die Form der Feier von Übergängen muß
nicht aufwendig sein. Sie muß stimmen, sie muß der Situation
der Betroffenen entsprechen. Es geht nicht um die Beschönigung von
Unangenehmem, sondern um das Einordnen in den großen Kontext des
Lebens.
|
Die traditionellen Formen von Übergangsritualen bieten dazu jede Menge
an erprobtem Material.
Ich biete Ihnen an, aus diesem
Material angemessene und situationsbezogenen Formen der Gestaltung von
Übergangssituationen für Ihren privaten oder beruflichen Bereich
zur Verfügung zu stellen.
GRENZGÄNGE
|
|