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An den Schwellen des Lebens

Warum wir Übergangsrituale brauchen

VerkanntenVerlag Berlin (2011)   VVPN 00001020
8 S/W-Abbildungen, 228 Seiten   12,00 €

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Der Abschied von einer Lebensstufe und der Übergang in eine neue sind in aller Regel mit Angst und Unsicherheit verbunden. Das Alte (z.B. die Kindheit) muß abgelegt werden, das Neue (z.B. das Erwachsensein) ist aber noch nicht da. Der Mensch "hängt in der Luft". In allen uns bekannten Gesellschaften sind für solche Situationen Rituale entstanden. Sie geben ein Handlungs- und Deutungsmuster vor, mit dem die schwierige Zeit des Übergangs zu bewältigen ist. Das gelingt allerdings nur, wenn diese Rituale lebendig und passend sind. Erstarren sie, verlieren sie allmählich ihre Wirkung und werden schließlich vergessen - so wie es in unserer Gesellschaft fast geschehen ist. Der Mensch muß sich dann in krisenhaften Übergangssituationen mehr oder weniger notdürftig anders durchschlagen.

Die Sehnsucht nach einer Wiederbelebung wirklich hilfreicher Rituale ist bei uns in den letzten Jahren sehr stark gewachsen und hat zu manchen neuen Gestaltungsversuchen geführt. Dabei steht meistens aber nur der Feieraspekt im Mittelpunkt, weniger die Aufgabe eines Rituals, einen Menschen durch eine ernsthafte Krise zu begleiten und ihn in ihr und aus ihr lernen zu lassen. Ernsthafte Rituale bestehen nicht nur aus schönen Festen, sondern sie sind für die Beteiligten auch Prüfung und Zumutung.

Dieses Buch beschreibt, wann, wie und warum typische Übergangsrituale wirken, wie sie aufgebaut sind und was mit ihnen vermittelt werden soll. Dies geschieht nicht im Stil einer trockenen wissenschaftlichen Abhandlung, sondern anhand von Märchen, mythologischen Geschichten und ethnologischen Beispielen. Märchen sind deshalb zum Verständnis der Wirkweise von Übergangsritualen so gut geeignet, weil viele von ihnen ebenso aufgebaut wie die Rituale. Da große Rituale uns kaum mehr vertraut sind, Märchen aber schon, läßt sich vom Bekannten - den Märchen - gut eine Brücke zum Unbekannten - den Übergangsritualen - schlagen. Auf dem Umweg über Geschichten wird deutlich, daß die alten, überlieferten Formen voller Weisheit und praktischer Lebenshilfe sind. Ihre Inhalte, Symbole und Handlungen haben etwas so allgemein Menschliches und Bewährtes, daß sie auch für den modernen Menschen bedeutsam sein können. Warum sollte das, was immer geholfen hat, nicht auch heute helfen?

 

    Dr. phil.  Angelika-Benedicta  Hirsch
www.grenzgaenge.de hirsch@grenzgaenge.de
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